Hochaltarbild in Diessen braucht Nothilfe - Frauenbund Diessen spendet

Notsicherungen sind das Gebot der Stunde, danach folgt eine Bestandsaufnahme als Basis für die Sanierung. Für den ersten Schritt hat der Diessener Frauenbund ein „Weihnachtsgeschenk“ in Höhe von 2.000 Euro gespendet, „worüber wir sehr, sehr dankbar sind“, betonen Pfarrer Josef Kirchensteiner und Kirchenpflegerin Barbara Mann bei der Scheckübergabe am Fuße des Hochaltars.
Das Marienmünster hat, was andere nicht haben: Ein barockes Bühnen-Theater, das auch gelegentlich als „Fernsehen der Vorfahren“ apostrophiert wird. Es befindet sich im Inneren des Hauptaltares, der mit einer Höhe von 20 Metern die Apsis ausfüllt und auf einen Entwurf des Münchner Hofarchitekten Francois Cuvillés zurückgeht und vom Münchner Bildhauer Joachim Dietrich ausgeführt worden ist. „Zugedeckt“ ist die Mysterien-Bühne mit dem Hochaltarbild von Balthasar Augustin Albrecht.
Albrechts Altargemälde war immer „mobil“. Zu Weihnachten und Ostern ist es bis vor zirka zehn Jahren mit Handkurbeln von starken Männern in den dafür vorgesehenen Bodenschacht gekurbelt worden, damit die Mysterien-Bühne aufgeht. Heute wird das Gemälde durch einen Elektromechanismus sanft in seinen Schacht versenkt.
Schimmelbefall
Im Sommer letzten Jahres, berichtet Kirchenpflegerin Barbara Mann, ist an dem Bild Schimmelbefall festgestellt worden. Roland Vogel, Restaurator für Gemälde, Skulpturen und Holzobjekte aus Gempfing bei Rain am Lech wurde umgehend zu Rate gezogen. Ebenfalls ins Verfahren einbezogen wurden vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege der Referatsleiter Dr. Thomas Hermann und Restaurator Andreas Müller sowie Diözesankonservator Dr. Michael A. Schmidt aus Augsburg.
Als erste Maßnahme sind drei Datenlogger eingerichtet worden, die die klimatischen Verhältnisse aufzeichnen. Im zweiten Schritt kümmert sich Restaurator Vogel, sobald es die Temperaturverhältnisse zulassen, um die Notsicherung, die zur Gesamtsanierung führt, was sicherlich ein zeitraubendes Vorhaben ist. Bisher wurden 1.600 Euro investiert. Im Folgenden sind für die Notversorgung rund 9.000 Euro prognostiziert. Was die Gesamtsanierung kostet, kann erst veranschlagt werden, wenn die Gesamtschäden ermittelt sind. Erfahrungsgemäß müsse mit einer sechsstelligen Summe gerechnet werden.
Nicht sicher seien die Ursachen der Schäden, fasst Barbara Mann zusammen: „Ist die natürliche Farbalterung verantwortlich, oder die Duplier-Masse auf der Rückseite des Gemäldes, oder sind es klimabedingte Schäden.“ Beate Bentele.
Mysterien sind Geheimnisse – Zur Bühne im Hochaltar
„Mysterien sind Ausdruck der Sehnsucht nach Erlösung in denen Lebensfreude, Angst und Todesschmerz ihren symbolischen Ausdruck finden. Der ‚Dießener Himmel‘ ist nicht nur Thron- und Audienzsaal des Allerhöchsten, sondern wurde zugleich auch als ‚Heiliges Theater‘ konzipiert. Die Seitenaltäre sind kulissenartig angeordnet. Der Vorraum ist das Foyer, das Kirchenschiff der Zuschauerraum und über dem ersten Gurtbogen, der zum Presbyterium führt, öffnen Putten einen lila Vorhang. Zwischen den Stufen ist das Orchester, der Hauptaltar ist die Bühne. Das acht Meter hohe und sechs Meter breite und sechs Zentner schwere Altarbild kann mittels einer Winde aus seinem Rahmen herausgehoben und in einen extra dafür geschaffenen Schacht versenkt werden.
Dahinter öffnet sich ein Bühnenraum mit kunstvoll gemalten Kulissen Auf dieser Bühne wurden in der Barockzeit mit überlebensgroßen Figuren verschiedene Szenen aus dem biblischen Leben gezeigt. Aufklärung, Säkularisation und die Wirren der Kriege machten diesen Mysterienspielen ein endgültig scheinendes Ende. Die Figuren wurden verkauft oder vernichtet. Nur die Kulissen von Johann Georg Bergmüller überstanden die Zerstörung. Heute aber strahlt auch diese einzigartige Mysterien-Bühne in neuem Glanz. … Sie lässt den Betrachter die Geheimnisse des Advents, der Weihnachts- und Passionszeit, die Freude der Auferstehung wieder tiefer erahnen und lebendig werden.“
So sei Benedicta von Mangoldt aus einer ihrer Publikationen zitiert. Nun bleibt zu hoffen, dass die Restauratoren und Experten-Teams einen Weg finden, sowohl das Hochaltarbild als auch die Mysterienspiele für die Zukunft zu einen, damit auf keines der beiden gänzlich verzichtet werden muss. bb.

Unsere Bilder zeigen Vorstandsfrauen vom Diessener Frauenbund bei der Spendenübergabe am Fuße des Hauptaltars: vorne Pfarrer Josef Kirchensteiner und Kirchenpflegerin Barbara Mann, dahinter Brigitte Haugg, Resi Gerum und Cornelia Kammerl. Wir zeigen auch die Mysterienbühne während das Hochaltarbild langsam heruntergleitet, um im Schacht zu ruhen, bis die Bühne nach Heilig Drei König wieder geschlossen ist. Darunter der Hochalter mit geöffneter Mysterienbühne und der Heiligen Famulie im Stall vor der Geburt des Herrn. Alle Bilder Beate Bentele.

