Wo der Wortwitz Purzelbäume schlägt

Bally Prell (Margot Grötz) wie sie leibt und lebt, mit Regenschirm und goldenem Krönchen ist eigens aus Schneizelreuth angereist. In voller Pracht und Schönheit verzaubert die berühmte Schönheitskönigin mit ihrer dunklen Stimmlage – wie seinerzeit in den 1950-er Jahren im Münchner Platzl – die Herren. „Mich, die Salvermoser Zenz hamms zur Schönheitskonkurrenz nach München auhfi gschickt.“ … In epischer Breite erzählt sie die Geschichte von ihrer wunderbaren Figur: „Sogar ein Herr von der Jury is mit Bleamel her auf mi, ein sehr hübscher junger Maaaaann und sang mich schmachtend aaaaaaan: Einen Strauß von Bleamerl bring ich, schöne Frau! … Rosen, Tulpen, Nelken
Flieeeeeder und Schasmin, da konnst in Düften schwelgen Schönheitskönigin!“ Nun – der junge Herr war nicht von der Jury – sondern Gemeinderat und Wirt vom Lieblingswirtshaus in der Diessener Fischerei!
Und die Bühne im Traidtcasten bebt weiter. David Garrett on Tour hat für das Diessener Publikum seine blonde Mähne gebändigt und präsentiert sich nicht nur als schnellster Geiger der Welt, sondern zeigt auch seinen wahrhaft plakativen Silberschmuck. Von dem berühmten Parfum „Rock Symphonies“ mit passendem Duschgel roch man in der aufgeheizten Stimmung leider nichts mehr. Ob David Garretts (Sandra Perzul) Stradivari echt ist? Keine Ahnung, aber echt cool ist seine Band mit Resi Gerum (E-Gitarre), Diana Linke (Drums), Irmi Reitinger (Chello), Petra Rauch (Keyboard), Brigitte Haugg (Gitarre), bravourös mit Zorba's Dance by David Garrett und Rockin‘ all over the World.
D‘ Aquinata ist auch dabei
Der grandiose Schluss-Akt gehört den Schwestern Mary Lazarus, Schwester Mary Patrick und Co. aus dem Film Sister-Act. In der Hauptrolle natürlich Whoopi Goldberg (Sandra Perzul), einer ehemaligen Nachtclubsängerin, die in einem Kloster Unterschlupf sucht und schließlich den Nonnenchor leitet. „Ja, und d‘ Schwester Aquinata is a dabei“, hört man immer wieder aus dem Publikum. Sanft, ganz sanft und leise huschen alle Mitglieder der Theatercompanie (inklusive Luise Metz, für Maske und Haare zuständig) in schwarz-weißen Kutten auf die Bühne, bevor sie immer lauter werden und die Bühne rocken mit „Hail Holy Queen“ und „I will follow him“. Das Publikum fordert Zugabe um Zugabe von ihrem neuen „Münsterchor“ - obwohl sie zuvor neben den Promis noch 13 Einakter mit Lachsalven quittiert haben.
Witzig und originell zum Beispiel der Agrar-Wetterbericht, von dem ein Landwirtspaar (Maria Steinle und Irmi Reitinger) ihre jahrelang ersehnte Fernreise abhängig machen. Hier trifft Computer auf Wetterhäuschen und Tagesschlager. Die Wetterlagen sind originell personifiziert: Schneeflöcken (Petera Rauch), Lady Sunshine und Mister Mond (Edeltraud Scheidl), Raining Man (Aurelia Schwaiger).
I schaug bloß
Erneut beweist sich auch heuer wieder Resi Gerum, Wirtin aus Dettenschwang, als eine tragende Säule in der zehnköpfigen Theater-Gang. Mal als dezent vertrottelter Ehemann, der seine Frau ins Modehaus begleitet und allen verkäuferischen Talenten trotz mit der stereotypen Aussage „i schaug bloß“, alle wahnsinnig macht. Der keine Hose und auch kein Sakko kaufen will, auch kein Hemd braucht, aber bei der Tracht, die ihm als „global Player“ unter den Fashion-Trends empfohlen wird, dann endlich sein Problem offenbart: „Freilein, i brauchad nur a Klo.“
Oder Resi beim Frust-Shopping, wo sie nur Sachen für Frauen gekauft hat mit ihrer Freundin, „weils halt daheim mit d‘ Männer schon lang nimmer stimmt.“ Resi beschreibt wunderbar trocken, wie sie so einen „Tango“ gekauft hat. „A Strickerl, des ma eh net sieht, weils bei de meisten Frauen zwischen d Arschbacken verschwindt.“ Oder Resi in der Schönheitsfarm, wo si binnen vier Wochen abnehmen will. Beim Erfassungsbogen zum Kurbeginn muss sie mit ihrer Freundin Aurelia die Körpermaße preisgeben und Fragen zur Reduktionskost beantworten: „Des hab i gleich durchgstrichen und hingschrieben, sie müssen uns nicht schonen, wir essen gerne zwei Portionen.“ Trockener Humor, Alltagsgeplänkel voller Realsatire und bergeweise Sentenzen zum laut Lachen.
Frauenbund-Fasching in Gefahr?
Ernster Dialog zum Schluss: Zwei Frauen überlegen, ob es in Zukunft noch einen Frauenbund-Fasching geben wird in Diessen. Die Gefahr drohe, weil am 1. April – „Kein Aprilscherz“ – Neuwahlen stattfinden und bis dato zu wenig Frauen bereit sind, Vorstandsämter zu übernehmen. –
Mordsapplaus am Schluss, lachende Menschen, begeistere Frauenbünde aus den Nachbardörfern, eine strahlende KDFB-Diözesanvorsitzende Mechthilde Lagleder, die ein Geschenk überreicht Geschenk – es gibt eine Runde Schnaps und zu fortgeschrittener Stunde spielt der Theater-Musiker Hans Thiess noch ein Tänzchen auf. Es gibt eine wunderbare Brotzeit, aufgetischt von der Burschenschaft Wengen, die heuer zum zweiten Mal die Faschingstheater-Bewirtung im Traidtcasten betreut: „Es ist eine wunderbare Verbindung zwischen Frauenbund und Burschenschaft“, freut sich Maria Steinle am Ende. Und alle hoffen, dass es nach den Neuwahlen in gewohnter Frische und mit gewohntem Programm wieder ein Frauenbundleben in Diessen gibt, dem sich viele jüngere Frauen anschließen.
Die Fotos dazu könnt Ihr euch anschauen unter dem 20. und 21. Februar 2017:
www.frauenbund-diessen.de/galerie

