02.03.25–Fasching 2025

Im Ammersee Kurier von Dagmar Kübler.
Unter dem Bayerischen Defiliermarsch machen sie es nicht: Weiß-blaue Fähnchen schwenkend zogen die Theaterdamen vom Frauenbund in den vollbesetzten Traidtcasten ein, mit dabei auch die Mama Bavaria und der Bayerische Löwe. Mir san mir, vielleicht gerade heute, wo sich Gewissenheiten im Tagesrhythmus verabschieden, eine bodenständige Botschaft zu Fasching. Bodenständig und gern auch mit einem Blick zurück in die gute alte Zeit präsentierte sich auch das Programm mit 14 Sketchen, Liedern und Tanzeinlagen, die für gute Stimmung beim Publikum sorgten. Gesättigt mit Leberkäs und Kartoffelsalat oder Gulaschsuppe von der Burschenschaft Wengen, war dieses von Anfang an in Feierlaune.
Das Schöne am Frauenbundfasching ist ja, dass nichts perfekt sein muss, da darf auch mal die Souffleuse hörbar zum Einsatz kommen, wenn einer der Damen auf der Bühne gerade mal partout der Text nicht einfallen will. Wie beim "Arztbesuch", gespielt von Margot Grötz als ältere Dame, die zum ersten Mal zum Frauenarzt geht, jedoch versehentlich beim Zahnarzt (Brigitte Preußer) landet, was zu allerhand Verwirrungen führt. Die beiden amüsierten sich so über ihre Rollen und "Hänger", dass sie nur noch lachend auf der Bühne standen. Die Damen, mit dabei waren außerdem Resi Gerum, Brigitte Haugg, Petra Rauch, Irmi Reitinger, Aurelia Schwaiger, Diana Linke, Petra Bischeltsrieder und Dießens Bürgermeisterin Sandra Perzul, scheuen auch nicht davor zurück, in die wildesten Kostüme zu schlüpfen, ob sie nun zur Figur passen oder nicht. Sich selbst zum Narren machen, das gehört beim Frauenbundfasching mit dazu. Mit Spannung erwartet wurde wie jedes Jahr der Blick auf die Geschehnisse zwischen Seeanlagen, Münster, St. Georgen und Wengen. Heuer "predigte" jedoch nicht der Diez mit dem goldenen Fisch von seiner erhöhten Stellung herab. Vielmehr präsentierten sie zwei Tratschweiber auf der Parkbank und ein erster Bürgermeisterkandidat, der sich bereits jetzt aus der Deckung wagt, "denn man kann nicht früh genug anfangen mit der Spezlwirtschaft." "Mein Name ist Erwin Eberl, und do bin i dahoam," stellte sich der sichtlich angetrunkene Kandidat mit gewaltiger Wampe (Diana Linke) vor, dessen Wahlprogramm auf ein Bierfilzl passt. Einige Kostproben daraus verriet er schon: So soll der Vogelaussichtsturm zum Schießstand umgebaut werden, zudem will er ein Gewächshaus bauen, damit die Jugend Cannabis anbauen kann. Kostenloses Parken gibt es nur für Dieselfahrzeuge und aus dem Carl-Orff-Museum wird ein Ganzjahresbierzelt. Unter Eberls Jacke spitzte ein Maulwurf hervor, denn einen solchen gibt es in Dießen, der nichtöffentliche Informationen aus dem Gemeinderat ausposaunt. "Bei den Neuwahlen wird er sein Gesicht zeigen", so Eberls Prognose. "Denn bei Neuwahlen da drückt‘s es raus, das lichtscheue Gesindel." Allerhand wurde beklagt, sodass die Autos nur noch auf den Straßen parken aufgrund der Parkgebühren für die Parkplätze. Dass es in den Seeanlagen keine Blumen mehr gibt, dafür alle 50 Meter ein Hundeklo. Dass der Bauhof mit seinen Arbeiten über ein halbes Jahr hinterherhinkt. Und der Peter Kaun im Strandbad eine Partymeile wie in Mallorca eröffnen will. Am Ende dann der Appell an den Gemeinderat: "Arbeitet miteinander und nicht gegeneinander."
Ihr komödiantisches Talent zeigten die Damen in vielen Sketchen, so als Putzfrauen auf Männersuche, als Prager Hausfrauen auf dem Markt oder bei der Goldenen Hochzeit, wo sich ausgerechnet beim Besuch der Gratulanten Gräben in der Ehe auftun. Sie: "Wir hatten doch fünfzig gute Jahr." Er: "Die beste Zeit war die in meiner Kriegsgefangenschaft." Und noch einmal wird die langjährige Ehe zum Thema, wenn Margot Grötz und Brigitte Preußer feststellen, dass man zu zweit nicht immer einer Meinung sein kann, aber trotzdem sagen; "Mir zwoa g‘hern zamm!"
Auch Bürgermeisterin Sandra Perzul stand heuer wieder in mehreren Rollen auf der Bühne, so als radelnde Mutter eines pubertierenden Kindes, die dem Stress nur Herr wird, indem sie schon in der Früh ihr Müsli mit Eierlikör anrührt. Aber auch als etwas einfältiger Herr, der eine Kontaktanzeige aufgeben will, dabei aber von seiner Frau ertappt wird. Als Rockstar im kurzen Lederrock war sie zudem bei "Dießen sucht den Superstar" im Einsatz. Einen brillanten Auftritt legte Diana Linke als Großmutter hin, die mit ihrer bodenständigen Erziehung ihrem Enkelkind jegliche Form von neumodernen Erscheinungen wie Ergotherapie, Impfung oder Selbstbewusstseinstraning erspart. Der absolute Höhepunkt war dabei die bayerisch und englisch vorgelesene Geschichte vom "Redkäppi".
Für die musikalische Umrahmung sorgte wie immer Alleinunterhalter Hans Thiess mit Gute-Laune-Evergreens.