Vom Zauber der fünften Jahreszeit

Johannes Sift hat mit seinem literarischen und musikalischen Spaziergang durch den Herbst im Diessener Café Vogel alle Plätze gefüllt, die im Corona-Alltag erlaubt waren und damit seinem Publikum starke Gefühle mit heimgegeben. Kurzweilige Gedichte von Wilhelm Busch bis zu Kurt Tucholsky, der den Spätsommer auch als Frühherbst bezeichnet, und das, was zwischen ihnen
beiden liegt als eine ganz kurze Spanne Zeit im Jahre beschreibt: „Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit.“ Mit feiner Lyrik, die einst in den Schulen gelehrt und im Laufe der Jahrzehnte ins Vergessen sind, hat er wieder an die Oberfläche der Erinnerung geholt. Besonders heiter empfand das Publikum die Geschichten von der ländlichen Kirchweih vergangener Zeiten. Geschichten, die besonders gut angekommen sind, weil es heuer weder einen Kirta noch einen Kirchweihtanz gab.
Für alte Sitten und Gebräuche hat Sift der Buchautorin Steffi Kammermeier seine Stimme geliehen und über die Kirchweih 1922 erzählt: „Geschlachtet wurden ein Schwein, vier Enten eine Gans, drei Hühner, vier Gockel. Für den Kirchweihtag bereitete man sich auf den Höfen tagelang vor. Da wurde alles auf Hochglanz gebracht, schön geschmückt und hergerichtet - und das größte Gelage des Jahres vorbereitet. Ein gewaltiger Aufwand wurde getrieben und wehe, ein Bauer oder die Bäuerin haben sich lumpen lassen und hätten nicht anständig ‚aufgfahrn‘! … „Mia ham 500 Kiachl bacha … und des hat ned glangt. Na hamma am Kirchweih-Montag nomi welche bacha miassn. (Herzerweichende Geschichten und deftige Rezepte sind nachzulesen „Was hamma gessen – vom Landleben in alter Zeit?“ von Steffi Kammermeier)
Zur Vorfreude auf Spaziergänge im bunten Herbstlaub und der Stille des Novembers, hat Johannes Sift die Ziach ausgepackt und die Reime, Gedichte, Verse und Kurzgeschichten garniert mit Tanzmusik aus den Ziemetshauser Handschriften. Das sind Notenhandschriften aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die von der Beratungsstelle für Volksmusik des Bezirks Schwaben erst jüngst transkribiert worden sind von Katharina Heinle und Christoph Lambertz, zwei Musiker, die auch am Ammersee immer wieder zu erleben sind. Stifts Musiken stifteten mit Polka, Mazurka und Zwiefache fröhliche Rhythmusgefühle.
Kurz vor dem Lockdown light ist der Diessener Frauenbund nach langer Pause wieder in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden, „wir sind immer da, aber wir arbeiten gegenwärtig im Hintergrund“, sagen die Vorstandsfrauen, die auch den herbstlichen Nachmittag genossen haben.


