Die Zukunft ist weiblich - 110 Jahre Frauenbund Weilheim

„Lebenslanges Lernen, soziale Schlüsselfunktionen und Vernetzung sind heut‘ wichtiger denn je!“ So eröffnete Christine Lang das Festjahr und erinnerte immer wieder bei ihrer Festrede an Ellen Ammann, die 1904 den Zweigverein München aus der Taufe gehoben hatte. Wie das 1909 war, warum Ellen Ammann am Sonntag, 25. April 1909 in den Bräuwastlkeller-Saal nach Weilheim zur Gründung kam, wisse man nicht genau, sicher ist das – so hat es auch die Zeitung seinerzeit berichtet – „dass im Ganzen 78 Frauen ihre Anmeldung getätigt haben“, berichtet die Vorsitzende und erzählt weiter, dass das berühmte Foto, das die Frauenbund-Gründerin im Spitzenkleid zeigt, im Original im Frauenbundheim in Weilheim hängt. „Es ist uns so kostbar, deshalb haben wir eine Kopie in die Ausstellung in der Kirche gehängt.“
Christine Lang betonte in ihrer Begrüßung die Gegenwart und wies auf das breite Bildungsprogramm des Frauenbundes hin, das auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten ist: „ … das sich für eine gleichberechtigte Teilhabe in Gesellschaft, Politik und Kirche einsetzt und seit über 100 Jahren ein zentrales Anliegen des Frauenbundes ist“, wozu sie auch das gegenwärtig aktuelle Thema Maria 2.0 zählt.
MECHTHILDE LAGLEDER MODERIERT
Die inhaltstarke und am KDFB-Jahresmotto „Frauen können alles – bewegen“ orientierte Veranstaltung moderierte Mechthilde Lagleder vom Familienpflegewerk des KDFB in Bayern. Sie brachte mit dem Kampagnentanz 2019, mit Musik und Bewegung den Kirchplatz buchstäblich in Schwingung und navigierte durch die vielen Kurzreferate unter anderen von Gabriele Gers vom Verbraucherservice des KDFB. Dr. Brigitte Honold von der Solidar-Gemeinschaft Weilheim-Schongauer Land stellte die Banner zu laudato si vom Unser Land-Netzwerk vor, das eng mit dem Frauenbund zusammenarbeitet. Mit der neuen und für die Region zuständigen Diözesanvorsitzenden aus Aichach, Monika Knauer, gingen die teils kämpferischen, in jedem Fall sehr klaren Worte zu aktuellen Frauenthemen weiter, die sich auch im Grußwort von Landrätin Andrea Jochner-Weiß vom Landkreis Weilheim-Schongau klar formulierten. Tanztrainerin Birgit Handel vom Tanzsport des TSV Weilheim tanzte nach dem „women power song“ mit den Teilnehmerinnen über den Kirchplatz, dem sich auch Kaplan Helmut Wißmiller anschloss. Mit dabei Monika Engl als Vertreterin der Landfrauen sowie Roswitha Hupfer-Müller vom Familienpflegewerk, die jetzt auch die Hilfseinrichtung des KDFB Bayern im bayerischen Oberland etabliert.
VOM UNTERDRÜCKTEN HEIMCHEN ZUR KARRIEREFRAU
Die Schirmherrin des Frauenbund-Jubiläumsjahres und Dritte Bürgermeisterin der Stadt Weilheim, Angelika Flock betonte in einer engagierten und ambitionierten Rede, wie die Frau in 110 Jahren „vom unterdrückten Heimchen am Herd zur Karrierefrau, zur emanzipierten Mutter und gleichberechtigen Partnerin avanciert ist.“ Mit dem Wandel der Frauen ginge zugleich ein Wandel unserer Gesellschaft einher, dem sogar das Zukunftsinstitut voraussage, „dass die Zukunft weiblich ist.“
Dies alles geschehe, weil sich die Frauen bewegen und weil sie etwas bewegt haben. Schon die Gründungsfrauen des Frauenbundes hatten 1903 Visionen. „Sie wollten eine Gesellschaft, in der Frauen selbstbewusst und engagiert ihre Rechte verwirklichen. Mit einer gehörigen Portion Mut setzten sie auf Gleichberechtigung, Wertschätzung und Chancengleichheit.“
GEISTIGER MITTELPUNKT
Die damalige Zeit, hielt Angelika Flock fest, habe die Frauen gezwungen, Berufe zu ergreifen und ihren Unterhalt selbst zu verdienen – und das bei Hungerlöhnen. Der katholische Frauenbund sollte die geistige Sammelstelle und der geistige Mittelpunkt sein, durch Anregungen und Aufklärung der verschiedensten Art sollte er Zufluchtsstätte sein für die Frauen von einst. In einer damals männerdominierten Welt mussten die Frauen für das Recht auf Bildung, für ihr Berufsrecht und für die gleichen bürgerlichen Rechte wie die Männer kämpfen. „Wir können stolz sein: Wir haben viel erreicht. Aber es gibt noch viel zu tun. „Der Frauenbund Weilheim setzt sich ein für die Gleichstellung von Frauen und Männern, für ein geeintes starkes und friedvolles Europa oder für klimabewusste Ernährung.“ Der Frauenbund Weilheim, so schloss sie ihre Grußworte, sei alles andere als ein Bastel-, Kaffee- oder Betschwestern Verein. „Von wegen! Hier wird engagierten Frauen eine Heimat gegeben. Hier können Frauen ihre Interessen, ihre Bedürfnisse, ihren Glauben und ihre Spiritualität leben.“
Mehr Fotos unter Galerie vom 2. Agust 2019, Bilder anclicken und groß anschauen.




