Frauenbund Diessen trifft Frauenhaus Murnau

Marion Muth steht im Traidcasten 40 Frauenbund-Frauen gegenüber, denen das Lachen vergeht. Die Pädagogin zeigt Kinderzeichnungen, darunter das Bild eines vierjährigen Mädchens, das den riesengroßen Vater in bedrohlicher Haltung zeigt, auf dem Boden krümmt sich eine zarte kleine Frau, auf die der bärtige „Riese“ einschlägt. Auf einer anderen Kinderzeichnung schwebt ein Bub über einem Haus, in das er ein rotes Herz hineingemalt hat. Schwer zu entziffern, was er dazu schreibt: „ich wen Supermann were helfe maine Mama“.
Häusliche Gewalt passt nicht in unsere Gesellschaft, istein Tabu-Thema, obwohl es allgegenwärtig ist. Die Pädagogin betont, dass die Gewalt durch alle Gesellschaftsschichten geht. In der Regel sei es ein schleichender Prozess, der mit einer Ohrfeige beginnt, sich hochschaukelt bis zum Prügeln, Treten, Würgen. In Häusern, die dem Bildungsbürgertum zugeordnet werden, würde Frauen mehr die seelische Gewalt angetan. Sie werden mit Worten, aber auch mit Waffen bedroht, schlecht behandelt, beschimpft was bis zur Isolierung geht, in dem man(n) seiner Frau das Telefon wegnimmt und gesellschaftliche Kontakte unterbindet. Die Frauen bekommen kein Geld und werden nach und nach zu gebrochenen Personen. Auch die sexuelle Gewalt sei ein grausames Mittel, Frauen „klein zu kriegen.“
Als die Pädagogin von den zerstörten Körpern berichtet, von Spuren grauenvoller Schläge, gebrochenen Knochen, gebrochenen Fingern, waren die Frauenbund-Frauen sprachlos. Auch thematisierte Marion Muth die „bessere Gesellschaft“, wo Frauen an Körperstellen gequält werden, die unter der Kleidung nicht sichtbar sind, „es sind nicht immer nur die blauen Augen und die Blutergüsse …“.
Im weiteren Themenbereich erläuterte Marion Muth das Leid und Elend der Kinder, die teilweise in der häuslichen Gewalt auch körperlich betroffen sind, sich in der Regel aber unter Betten verkriechen und ähnliche Verstecke aufsuchen. Kinder, die in permanenter Angst leben, leiden unter Entwicklungsstörungen und Schulproblemen.
Frauen, die entweder durch Polizei oder ärztliche Intervention aus ihrem Umfeld geholt werden – die wenigsten kommen freiwillig – finden im Frauenhaus Schutz, Therapie, psychische Stärkung und lernen, sich neu zu orientieren und eine eigene, selbst bestimmte Existenz aufzubauen. Die Frauenhäuser sind anonym. Frauen bekommen ein Postfach, lernen in den sozialen Medien und bei ihren Mobiles keine Spuren zu hinterlassen. In besonders aggressiven Situationen werden Frauen und Kinder in Schutzeinrichtungen anderer Bundesländer gebracht.
SOZIALDIENST KATHOLISCHER FRAUEN
Die Frauenhäuser in Murnau und Garmisch werden vom Sozialdienst Katholischer Frauen e.V., SkF, betrieben. Im Landkreis Landsberg gibt es kein eigenes Frauenhaus, diese Region ist an die Frauenhäuser in Augsburg angegliedert. Es gibt in allen Landratsämtern Notruftelefone, die rund um die Uhr angerufen werden können und wo Frauen die Gewissheit haben, Soforthilfe zu bekommen. In Frauenhäusern arbeiten ausschließlich Frauen, sollten Handwerker gebraucht werden, so berichtet Marion Muth, würden die Frauen informiert und können sich dann zurückziehen.
Sie erklärt weiter, dass ein Frauenhaus kein Hotel ist, sondern eine Schutzeinrichtung wo Frauen und Kinder so lange wie ihre Sicherheit in Gefahr ist, wohnen können. Im Frauenhaus leben die Frauen selbständig, es ist wie in einer großen Gemeinschaft. Die meisten Frauen kommen oft nur mit dem, was sie am Körper tragen, sie sind ohne Geld und Einkünfte. Sie haben Anspruch auf ALG II-Leistungen. Weil Frauenhäuser ihre Arbeit zu einem beträchtlichen Anteil aus Spenden finanzieren, sind sie für jede Zuwendung dankbar.
Beate Bentele, die Öffentlichkeitsarbeiterin des Diessener Frauenbundes fasste zusammen, dass es eine wichtige Aufgabe der Frauenbundarbeit ist, nicht wegzuschauen, sondern hinzuschauen. Frauen, die in Not sind, senden unbewusst Signale. Sie seien oft an ängstlichem Gebaren zu erkennen, man sieht sie auch selten in der Öffentlichkeit: "Wenn euch was auffällt, habt den Mut und bietet Hilfe an", sagt sie.
GEWALT GEGEN FRAUEN – EIN VERBRECHEN
Marion Muth verabschiedete sich mit den Worten von Friedensnobelpreisträger des Jahres 2001, Kofi Annan: "Gewalt gegen Frauen ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. … Gewalt gegen Frauen gibt es weltweit, in allen Gesellschaften und Kulturen. Sie trifft Frauen unabhängig von Rasse, Volkszugehörigkeit, sozialem Ursprung, Eigentum, Geburt oder sozialem Status. Wir wollen uns verpflichten, unser Äußerstes zu tun, um Frauen zu schützen, die Gewalt zu verbannen und eine Welt zu errichten, in der Frauen ihre Rechte und Freiheiten auf gleicher Grundlage mit Männern genießen."
Info: Das Frauenhaus Murnau bietet Rund-um-die-Uhr-Beratung
unter T 08841.5711 für Angehörige, Besorgte und Fachpersonal an. Ambulante Beratung ist zu den Bürozeiten möglich.
Mehr Fotos unter Galerie vom 11. April 2019
