WISSENSCHAFT ZWISCHEN DEN WOLKEN
Die Vertreterinnen vom Zweigverein Diessen mit Bezirksleiterin Bernadette Lutzenberger (zweite von links)Wer hat das gewusst? Das meteorologische Observatorium Hohen Peißenberg ist die älteste Bergwetterstation der Erde. „Seit dem Jahr 1781 wird hier ununterbrochenen das Wetter beobachtet, wissenschaftlich ausgewertet und die Daten archiviert“, berichtet Manfred Kronier, der die Frauen durch die Wetterstation führt, die dem Deutschen Wetterdienst (DWD) angegliedert ist. Hier stehen neben der konstanten Wetterbeobachtung auch Ozonforschung, Aerosol- und Spurengasmessungen sowie Radarmeteorologie im Fokus.
Manfred Kronier hatte als Wetterbeobachter über 40 Jahre den wohl höchsten Arbeitsplatz der Region inne: Sein Schreibtisch stand in dem Turm mit dem Wetter-Radar auf dem obersten Plateau, der mit seiner auffälligen Architektur ins bayerische Oberland grüßt. Er habe seinen Beruf geliebt, der ihn bei Wind und Wetter ins Freie führte, wo er in halbstündigem Rhythmus die Wetterlagen beobachtet, ausgewertet und archiviert hat. „Ein 12-Stunden langer, aber höchst interessanter Arbeitstag.“
Obwohl im Ruhestand, ist er mit Leib und Seele immer noch Wetterbeobachter und gibt seine professionelle Leidenschaft bei Führungen weiter. Alle Geräte auf den Beobachtungsstationen, auf dem Messfeld, rund um die Ballonfüllhalle, den Gebäuden für Ozon und Lidar, für Wetterstation und Strahlungsplattform erklärt er und verbindet Information mit Unterhaltung, mit Daten und Fakten, aber auch mit seinen Gedichten, die sich um seinen Lebensmittelpunkt ranken.
Das Observatorium ist mit seiner über 238-jährigen Geschichte sehr bedeutsam für die Wetter- und Klimaforschung. Aus den Messreihen der Station wurden zahllose wichtige Erkenntnisse über die Erdatmosphäre gewonnen. Die gemessenen Werte werden intensiv ausgewertet und in Publikationen von Wissenschaftlern aus aller Welt verwendet. Die Messreihe Hohen Peißenberg zählt zu den längsten und homogensten Reihen in Europa und ist frei von Wärmeinsel-Effekten, wo die zunehmende Bebauung die nahe Umgebung erwärmt - mit denen zum Beispiel andere langen Reihen, wie die von Basel oder Prag, behaftet sind.
Leider, fährt Manfred Kronier fort, habe sein Berufsbild bald ausgedient. Schon 2019 soll die Augenbeobachtung der Klimawerte einem vollautomatischen Messnetz weichen. Der Grund: Daten wie Temperatur, Sonneneinstrahlung, Niederschlagsmenge, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit werden von Sensoren genauer festgehalten und sind weniger fehleranfällig. Außerdem registriere moderne Technik die Werte kontinuierlich und nicht nur zu den „Mannheimer Stunden“ um 7, 14 und 21 Uhr. Für eine mehrjährige Übergangszeit werden Physiker und andere Experten die noch nicht automatisierte Wolkenbeobachtung fixieren und die Technik im Auge behalten.
Von der Klimaforschung führt der direkte Weg zur Volksfrömmigkeit: Zur Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt. Es ist eine Doppelkirche, die aus der älteren Gnadenkapelle besteht und aus einem späteren größeren Kirchenanbau. Sie ist Ziel vieler Wallfahrer und hat für die Erzdiözese München und Freising überregionale Bedeutung.
Unter "Galerie vom 28. Juli 2018" entdecken Sie eine Bilderschau über den Sommerausflug auf Oberbayerns beliebtem Gipfel. Alle Bilder Beate Bentele.


